Heilendes Wasser

Heilendes Wasser

Wasser – es bewirkt nicht nur als Getränk wahre Wunder für unsere Gesundheit. Aber was vermag dieses scheinbare „Allheil-Mittel“ in therapeutischer Hinsicht eigentlich noch alles …?

Auf die Suche nach dem verheißungsvollen Jungbrunnen haben sich ja schon viele gemacht, aber trotz aller Bemühungen ist und bleibt die Vorstellung einer Quelle von ewiger Jugend und Gesundheit ein lang ersehnter Mythos. Nichts desto Trotz ist Wasser mehr als nur ein Durstlöscher und notwendig für die tägliche Dusche. Ihm wohnt gar eine gewisse Magie inne, enorme Heilkräfte die durch vielseitige Behandlungsmethoden eingesetzt werden können, um unterschiedliche Leiden zu lindern oder gar gänzlich verschwinden zu lassen.

Antikes Wissen

Schon die antiken Griechen waren von der Heilkraft des Wassers überzeugt, und so werden gesundheitsförderliche Wasserbehandlungen bereits seit Jahrtausenden als Bestandteil der Badekultur erfolgreich angewendet. Auch die Römer teilten diese Ansicht und bauten öffentliche Bäder, als Erholungszentrum und gesellschaftliche Treffpunkte. Sie gelten als Vorläufer unserer heutigen Kurorte.
Die Hydrotherapie, also die therapeutischen Wasseranwendungen zur Behandlung akuter und chronischer Beschwerden, dienen dabei zur Abhärtung und Vorbeugung, zur Regeneration und Rehabilitation. Dabei ruhen die heilsamen Effekte des Wassers in erster Linie auf den Temperaturunterschieden von Körper und Wasser, und erst in zweiter Linie auf dem Druck oder Auftrieb von Wasser.
Je nach Krankheitsbild wird bei der Hydrotherapie Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen und Temperaturen angewendet. Dabei sind die Therapieformen sowohl für „Warmduscher“, als auch für Menschen die leicht „kalte Füße“ bekommen empfehlenswert – häufig in Wechselwirkung!

Kneippkur, Wickel & Co.

Die Anwendungsformen sowie Behandlungsmethoden der „Wassertherapie“ sind dabei so vielseitig wie die Leiden der nach Linderung suchenden Menschen selbst: Waschungen, Wickel, Packungen, Güsse, Bürstenmassagen, Sauna oder Dampfbäder. Es wird gebadet, sich starken Wasserstrahlen und -düsen ausgesetzt, der Wassergymnastik gefrönt und gekneippt bis die Waden kitzeln.
Der Philosophie-Student und spätere Pfarrer Sebastian Kneipp selbst gilt dabei heute als einer der bekanntesten Vertreter der Hydrotherapie. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte er, dass es „ganz unglaublich ist, was Güsse mit Wasser vermögen. So sieht man öfters Beispiele von Heilungen, die Manchem fast unglaublich scheinen…“

Mit allen Wassern gewaschen

Aber Wasser ist schließlich nicht gleich Wasser. Neben Anwendungen mit herkömmlichem Leitungswasser wie eben bei Kneippkuren, bei denen der heilsame Effekt schlicht durch die Wassertemperatur und die Bewegung erzielt wird, gibt es auch therapeutische Behandlungsformen mit Wasser aus Heilquellen. Mit diesem Güte-Siegel darf sich aber nicht jedes Wasser schmücken. So muss sogenanntes Heilwasser mindestens ein Gramm pro Kilo Wasser an gelösten (Mineral)Stoffen wie z.B. Kohlensäure, Schwefelwasserstoff oder radioaktive Stoffen aufweisen. Eine besondere Form der Balneologie – der Bäderkunde bzw. Anwendung von natürlichen Heilquellen – ist die Thalasso-Therapie: Der Ursprung dieser auf warmen Meerwasser basierenden Therapie geht bis ins alte Griechenland und auf Hippokrates zurück, der bereits in seinen Schriften diese Behandlung zur Heilung von Ischias-Leiden und Rheuma empfahl. Aber auch bei Haut- und Atemwegserkrankungen, Stress und Schlafstörungen soll die Thalasso-Therapie wahre Wunder bewirken. Und wer nicht gerne badet, der kann sich auch unter den warmen Meerwasser-Strahl stellen oder sich überhaupt gleich – kombiniert mit Meeresschlamm und Algenpaste – einwickeln lassen. Thalasso-Anwendungen sollten nach Möglichkeit direkt vor Ort, am Meer genossen werden, da neben den Inhaltsstoffen des Meerwassers wie Magnesium, Kalzium oder Jod vor allem auch das Meeresklima selbst eine wichtige Rolle für die Genesung spielt.

Nix für Klaustrophobiker

Eine Praktik, welche die alten Römer und Griechen bestimmt gerne in ihrem wassertherapeutischen Repertoire aufgenommen hätten, die sich aber erst seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut ist der Wellness-Trend Floating. Es entspannt Körper, Geist und Seele und trägt dadurch zu einem allgemeinen Wohlbefinden bei. Friedlich und scheinbar schwebend treibt man dabei in einem dunklen Tank – der mit zirka 25 Zentimetern wohltemperiertem Salzwasser gefüllt ist –und kann sich dem völligen Reizentzug hingeben. Das soll laut dem amerikanischen Gehirnforscher John Lilly Kreativität wie Konzentration fördern und vor allem ein Gefühl tiefer Entspannung in uns hervorrufen.

Solebad für die Haut

Wie die wärmende Sonne nach einem langen Winter fühlt sich dieses mindestens ebenso beliebte wie salzige Bad an: das Solebad. Die Sole ist ein Gemisch aus Wasser und Salzen, das bis zu sechs Prozent Salze enthält. Nehmen wir vergleichsweise ein Bad in der Adria, können wir mit rund drei bis vier Prozent „Salz auf unserer Haut“ rechnen.
Die Sole-Hydrotherapie beweist eine vielfältige Wirksamkeit, welche durch Wannenbäder, bei Unterwassermassagen oder Sole-Schlammpackungen erreicht werden kann. Wer schon einmal schmerzgebeutelt in ein Solebad gestiegen ist, wird seine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung sicher bestätigen können. Darüberhinaus wirkt Sole durchblutungsfördernd, entspannend, regt die Zellerneuerung, den Stoffwechsel und die Organfunktionen an. Des Soles liebster Freund neben dem Wasser ist übrigens der Schwefel, mit welchem die Sole häufig gemeinsam in Form von Wannenruhebädern zum Einsatz kommt. Und wer einmal in dieses oder ein ähnliches „Entspannung“ flüsterndes Heilbad abgetaucht ist, wird erkennen, dass die erfolglose Suche nach dem sagenumwobenen Jungbrunnen nicht weiter schlimm ist, schon gar nicht wenn man dabei gerade in einem „Gesundbrunnen“ badet…


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